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Kinderhilfsorganisationen
DeSiGn .e.V., Ulan-Ude, Russland / Burjatien

Staatliche Vernachlässigung

Tb-Klinik, Ilinka Am 03.09.2005 besuchen wir die Tuberkulosenachsorge-Kinderklinik in 'Ilinka', ca. 70 km westlich von Ulan-Ude.
Wolfgang, Initiator der Hilfsorganisation DeSiGn (Deutsch-Sibirische Gemeinschaft) und wohnhaft in der Nähe von Karlsruhe haben wir per Zufall in Ulan-Ude kennengelernt. Wir sind sehr interessiert an diesem Hilfsprojekt und so lädt uns Wolfgang ein, mit ihm zusammen eine der Kliniken zu besuchen.

So kommen wir zusammen mit Wolfgang und Clothilde, der stellv. Chefärztin der Tb-Kliniken Larissan mit ihrem Sohn und Anja als Dolmetscherin zu der Tb-Kinderklinik in 'Ilinka', ca. 70 km westlich von Ulan-Ude.
Wir fahren mit unseren Motorrädern, denn der "Wolga" ist bereits voll ausgelastet. Nach einer teilweisen wunderschönen Bergstrecke erreichen wir schon bald den Klinikkomplex in dem kleinen Ort an der Selenge.

Bei strahlend blauem Himmel begrüßt uns der leitende Oberarzt Vladimir und zeigt uns die Anlage aus mehreren Holzhäusern.
Von den 120 Betten sind zur Zeit 108 belegt und 120 Mitarbeiter ( 22 Krankenschwestern, 20 Pflegehilfskräfte, 6 Ärzte, Heizer, Handwerker und Lehrer ) sind hier beschäftigt. Küchenpersonal, Pflegekräfte und zwei Ärzte sind jeweils anwesend.
Die Kinder, zwischen einem und 15 Jahren alt, haben entweder eine akute Erkrankung hinter sich oder sind zur Prophylaxe hier. So gut wie alle benötigen Medikamente. Bei einem akuten Tb-Schub kommenn die kleinen Patienten in die Akutklinik in Ulan-Ude.

Die Verweildauer liegt zwischen drei Monaten und maximal einem Jahr, dann müssen die Kinder nach dem Gesetz wieder zurück, woher sie auch immer kommen.
Das ist problematisch, da die Kinder alle aus schwierigen Elternhäusern kommen und sozial sehr vernachlässigt sind. Einige haben auch gar keine Familie mehr und müssen dann wieder in ein staatliches Heim. Andere kommen zurück in zerrüttete Familien, haben Alkoholiker als Eltern. Die Versorgung und Betreuung der meist chronisch kranken Kinder ist dort absolut unzureichend!
Ein Teufelskreis, aber noch gibt es keine vernünftige Alternative für die Kids, wenn sie wieder entlassen werden müssen.

Tb-Klinik, Ilinka Die Wohn- Schlaf- und Behandlungsräume sind in Holzhäusern untergebracht, die völlig unzureichend isoliert sind und eigentlich nicht für diesen Zweck erbaut wurden. Daher sind die Zimmer, in denen vier bis sechs Betten stehen sehr klein.
Das zur Zeit dringlichste Problem ist, dass die Kinder kaum noch tragbare Kleidung haben. Wir werfen einen Blick in die Kleiderkammer - durchgelaufene Schuhe und löchrige Sachen. Dieses Problem wird Wolfgang noch während seines Aufenthalltes hier mit Hilfe der Spendengelder, die er über die "DeSiGn e.V." gesammelt hat, durch den Kauf von Schuhen und Strümpfen für die Kinder etwas mildern.

Die Kinder erwarten uns schon und tragen zur Begrüßung Gedichte und Lieder vor. Zuerst die Kleinen, dann die Großen und dann alle zusammen. Das ist wirklich rührend!

Durch das große Engagement von Vladimir und der bisherigen Unterstützung der "DeSiGn" hat sich in den letzten Jahren hier auch schon einiges getan. Neue Fenster ( teilweise waren nicht einmal Scheiben vorhanden! ) wurden eingebaut, Betten erneuert (auch wenn sie immer noch aussehen, als ob sie 20 Jahre alt wären ), Kühlschränke und medizinische Geräte angeschafft und die große Kohleheizung renoviert.
Vladimir betont die Wichtigkeit der Heizer, ohne die sie hier im Winter verloren sind. "Sie sind genauso wichtig wie die Ärzte und Krankenschwestern!"

Auch eine Schule gibt es hier, wenn es auch an Lehrern und Lehrbüchern mangelt. Alles ist sehr ordentlich und sauber, aber halt mit mangelndem Inventar. Einige Tafeln sind neu, sie wurden auch von Wolfgang organisiert.
In der kleinen Werkstatt werden Holzschrubber und Kleiderbügel gefertigt, durch deren Verkauf ein paar Rubel verdient werden. Die Werkzeuge dazu kommen ebenfalls von der "DeSiGn".

Obwohl ( oder weil...) die Klinik eine staatliche Einrichtung ist, fließt vom Gesundheitsministerium fast kein Geld und wenn dann oft in die falsche Richtung...
Alles wurde und wird mit Spenden aus dem Ausland finanziert.
Das muss nicht so sein, wie Wolfgang und Clothilde bei einem Besuch des Kinderheimes der Eisenbahngesellschaft gesehen haben. Die Bahn hat viel Geld und das Heim ist tip-top und auf dem neuesten Stand. Geld wäre also da, es ist nur ungerecht verteilt.
Wie zum Hohn steht keine 100 m neben dem Klinikkomplex eine neue Sportklinik, gebaut für 4,1 Mio. Rubel und die wurde vom Gesundheitsministerium finanziert! Das muß man sich mal vorstellen!
Vladimir schämt sich dafür, dass sie auf Spenden aus dem Ausland angewiesen sind und er immer wieder um Unterstützung bitten muss. Ohne diese Spenden allerdings würden die Kinder noch immer in katastrophalen Zuständen leben müssen.

Tb-Klinik, Ilinka Bevor wir dann zum Abschluss noch zum Mittagessen eingeladen werden, verteilt Wolfgang ein paar Spielsachen und wir drehen mit den Kindern ein paar Runden auf unseren Motorrädern. Immer mit drei Kids vollgeladen knattern wir über den Hof. Den Kindern machts einen riesen Spaß.

Beeindruckt von der engagierten Arbeit der Mitarbeiter und dem eisernen Willen Vladimirs, die Situation für die Kinder weiter zu verbessern, verabschieden wir uns. Wir haben beschlossen, die lobenswerte Arbeit von Wolfgang und seiner "DeSiGn" nach unseren Möglichkeiten zu unterstützen.

Wer ebenfalls Interesse an einer Unterstützung für die Kinder in Burjatien hat, darf sich gerne bei uns melden, oder über die Webseite der DeSiGn direkt Kontakt mit Wolfgang aufnehmen - es lohnt sich, denn die gespendeten Gelder werden ohne Ausgaben für Verwaltung direkt in Hilfe umgesetzt. Sogar die Reisekosten bezahlt Wolfgang aus eigener Tasche.

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